Bauprojekt: ein Gartengerätehaus – man könnte es auch Palast nennen

Wo stellt man seinen Rasenmäher, Kaminholz, Leitern, Schüppe, Schubkarren, Kettensäge und dieses ganze Zeug für den Garten hin, wenn man keinen Keller hat und in die Garagen gerade mal 2 Autos passen? Nun gut, wir reden hier nicht von Gogomobile oder Fiat 500, trotzdem ist der verfügbare Platz dort begrenzt. Also haben wir Anfang der 80er Jahre aus den Dachbalken einer alten und im Abriss befindlichen Schule ein Gartenhaus aufgebaut. Rund 3,5x4m² als Grundfläche bieten Platz für allerlei Gerät und natürlich auch für manches Gerümpel, das man in 30 Jahren nur zum Einräumen in der Hand hatte.

Das Gartenhaus steht mitten auf dem von uns gepachteten Bahndamm und schon seit vielen Jahren wissen wir: wenn die Pacht irgendwann aufgegeben wird, dann haben wir ein Problem – dann muss der sehr solide zusammen gezimmerte Eigenbau versetzt oder abgerissen werden. Wir haben verschiedene Optionen durchdacht (Hubschrauber, Kran, Cargolifter, Streichholz dran und am Ende zusammenkehren, bishin zur Demontage bis auf das Balkengerüst und mit 20 Mann einfach runtertragen. Keine der Varianten scheint auf den ersten Blick und schon gar nicht auf den zweiten Blick die beste Idee zu sein.

Aber ein Problem, dass man noch nicht hat und von dem man nicht weiß, ob es einen irgendwann mal beschäftigt, kann man vortrefflich auf die lange Bank schieben. Zumindest bis Anfang des Jahres 2019: Die Stadt nimmt Kontakt mit uns auf, weil es Kaufinteressenten für die Fläche von der anderen Seite des Bahndamms gibt. Was wollen die bloß damit? Wollen wir das Stück vielleicht selbst kaufen? Und es gibt da noch eine weitere klitzekleine Hürde:

Ende der 70er Jahre haben die Nachbarn die Pachtgrundstücke unter sich aufgeteilt und sich auf eine entsprechende Grenzziehung in Form von niedrigen Zäunen geeinigt, jedoch ohne, dass man mit dem Vermessungsamt und dem ganzen damit verbundenen Brimborium Grenzsteine setzte. Daher ist unser Stück ein wenig breiter als bei dem Nachbarn gegenüber der zwischenzeitlich mal seine Schafe dort oben parkte. Jetzt allerdings werden die Grenzen von der Stadt gezogen und eine davon geht – wie die Herren vom Amt bei einer Ortsbesichtigung feststellten – zukünftig mitten durch das Gartenhaus.

Wir halten Familienrat. Philip hat kein Interesse, meine Eltern nicht mehr ganz die Power, Kerstin keinen grünen Daumen und ich muss arbeiten. Der Bahndamm macht fast mehr Arbeit in Sachen Instandhaltung und Pflege als der übrige Bereich. Was aber wenn die Nachbarn dort bauen wollen? Ich recherchiere ein wenig und stelle fest: die Bebauungspläne verbieten die Erschließung des Bahndamms in diesem Bereich. Es ist auch nirgends etwas in Sachen Altlastenbewertung zu finden. Aber wir (glauben zu) wissen: in den Betriebsjahren fand die Bahn es nicht besonders witzig, wenn sich die Natur diesen Streifen in Form üppiger Gewächse zurückerobert, daher wurde reichlich Gebrauch von chemischen Substanzen gemacht, die das Gemüse ausbremsen. Sobald man Eigentümer dieser Fläche wird wechselt auch die Verantwortung für die Altlasten den Eigentümer. Es geht dann also nicht mehr nach dem Verursacherprinzip. Da wir darin nur die zweitbeste Idee sehen was man mit seinem Geld anfangen kann und außerdem die Kaufpreise, Grunderwerbssteuer und Grundsteuer einen für uns erheblichen Betrag ausmachen würden lehnen wir die Firmierung zum Großgrundbesitzer kurzerhand ab.

Damit ist das Standortproblem für das Gartenhaus immer noch nicht geklärt. Was hilft in so einem Fall? Miteinander reden wäre eine Möglichkeit. Haben wir dann also gemacht und festgestellt: die Nachbarn würden das Gartenhaus übernehmen und bieten sogar eine Beteiligung für ein neues Haus an. Das ist natürlich eine wunderbare Wendung und macht die Sache insgesamt deutlich einfacher. Außerdem haben es die beiden nicht übertrieben eilig. Wenn es bis zum Ende der Sommersaison klappt, dann wäre das wunderbar.

Nächste Frage: selber konstruieren und bauen? Ich setze mich hin und fange mit ein paar Skizzen an und konstruiere das in einer Nachtschicht durch. Also so würde das doch schon ganz gut passen. Mit Fenstern, Türen, Dachverlängerungen, kleiner Vorterrasse und so weiter. Könnte also so aussehen:

Da passt bestimmt ein Rasenmäher rein.

Grundsätzliche Frage: selber konstruieren, beschaffen und bauen oder lieber was kaufen? Schnell wird klar: wenn der Balkon schon zwei Jahre gedauert hat – das Gartenhaus hat aus verschiedenen Gründen nicht so viel Zeit und bis ich die Detailkonstruktion fertig und einige Dinge nachgerechnet habe ist mindestens Weihnachten. Und wenn wir uns jetzt ein wenig umsehen und nix finden, dann können wir den Weg ja immer noch gehen. Hört sich nach einem Plan an: also los…

Damit starten wir die Phase 1a: „Wir suchen ein neues Häuschen“

Dazu schauen wir in die Werbung, suchen im Internet und auch im Umkreis so einiges an. Das Spektrum reicht von einer wirklich dünnen Bretterbude für 1.000€ (wenn man später darin mal ein kräftiges, akustisches Bäuerchen macht, dann fliegen nicht die Fliegen zum Fenster, sondern gleich die ganzen Fenster raus.) Das andere Ende sind die fantastischen und stabilen Gartenhäuser von Gaidt die wunderbar eingerichtet im Präsentationspark stehen und leider selbst in der kleinen Variante 10.000€ kosten. Nach einer Weile finden wir das „Alaska 3“ für gute 4.000€, ein Block-Bohlenhaus mit einer Grundfläche von 20m², zwei Fenstern und einer doppelflügeligen Türe.

Und so könnte es demnächst mal aussehen:
[Quelle: www.hagebau.de]

Das Ding macht einen sehr stabilen und gut verarbeiteten Eindruck. Die Jungs im Gartencenter des Hagebaumarktes in Breitscheid sind wirklich echt hilfbereit und freundlich. Schließlich bestellen wir das dort und werden auf eine lange Lieferzeit von 6 Wochen und mehr vorbereitet. Das passt uns ganz gut, denn wir haben den Abschluss der Arbeiten grob für Mitte September 2019 ins Auge gefasst. Dumm nur, dass nach nicht mal 2 Wochen der Baumarkt anruft und mitteilt: „Dat Gartenhaus is da. KönnenSe abholen!“. Glücklicherweise können die Einzelteile erstmal eingelagert werden.

Phase 1b: Entscheidungsfindung: wo soll es stehen?

Unser Garten ist im Vergleich zu den Gärten der vielen Neusiedlungen eher üppig in Sachen Fläche bestückt. Bei vielen der Häuser lohnt nicht mal ein Rasenmäher. Den stellt man dann auf den Rasen, macht ihn an und ohne ihn irgendwo hin schieben zu müssen dann wieder aus, weil das winzige Stück damit schon komplett gemäht ist. Der hintere Teil bei uns ist rund 12,5m breit und gute 25m tief wobei mitten drin ein ziemlich fetter Nussbaum steht. Wir überlegen, wir setzen das Häuschen ganz nach hinten in die Mitte mit ein wenig Abstand zum Nachbarn damit man die Hecke noch schneiden kann. Wobei: eigentlich ist das ja ein wenig ungerecht, denn der Herr Nachbar kann seinen Garten damit großzügiger nutzen, als wenn er selbst zum Zaun einen gewissen Abstand hält.

Apropos Abstand: Gartengerätehäuser dürfen nur ein Volumen von 30m³ aufweisen, wenn sie grenznah errichtet werden wollen. Unseres liegt da schon etwas drüber. Die schriftliche Genehmigung des Nachbarn ist zwar hilfreich hat aber keinen rechtsverbindlichen Charakter. Wenn dem Nachfolger einfällt, dass das doch nicht gefällt, dann muss das Haus zurückgezogen oder demontiert werden. Es sei denn man sorgt für eine Eintragung im eigenen Grundbuch und einer ‚Baulast‘ im Grundbuch des Nachbarn, der bei seinen Bauvorhaben dann einen größeren Grenzabstand einhalten muss. Und da liegt der Hase im Pfeffer bzw. weist das Baurecht eine sehr unangenehme Regelung auf, die in den meisten Fällen dazu führt, dass man die Bauvorhaben ein wenig „grenzwertig“ betreibt. Wir legen fest, dass wir den Grenzabstand von 3m einhalten und bitten unsere Nachbarn trotzdem um eine Unterschrift falls wir aus irgendwelchen Gründen Spielraum brauchen.

Wie geht es weiter? Schaffen wir es überhaupt, in den nächsten Wochen den Aufstellplatz vorzubereiten? So viel kann ich sagen: es bleibt spannend!